Samstag & Sonntag, 22. + 23. August 2020 · jeweils um 17 Uhr

CELLOSONATEN

Geburtstagsjubiläum mit »Beethovens 5.«
Konstantin Pfiz (Violoncello)
Simon Kasper (Klavier)

Bildergalerie

Programm

Johannes Brahms (1833 – 1896)

Sonate für Bratsche und Klavier in f-moll, Opus 120 Nr. 1

Allegro appassionato
Andante un poco Adagio
Allegretto grazioso
Vivace


Ludwig van Beethoven (1770 – 1827)

Sonate für Cello und Klavier in D-Dur, Opus 102, Nr. 2

Allegro con brio
Adagio con molto sentimento d’affetto, attacca
Allegro
Allegro fugato

Geburtstagsjubiläum mit »Beethovens 5.«

250 Jahre Beethoven! Ein Vierteljahrtausend. Ein Jubiläum, welches aufgrund der Bedeutung des Komponisten nicht groß genug gefeiert werden könnte. Von Corona ausgebremst, kommt die Geburtstagsfeier aber viel zu kurz.

Mit diesem Kammerkonzert wollen wir im kleinen Kreis den runden Geburtstag des Jubilars mit einem seiner größten Werke feiern: seiner Fünften! ... Cellosonate.

Nicht so berühmt wie die große fünfte Sinfonie, steht ihr die fünfte und letzte Sonate für Cello und Klavier vom musikalischen Inhalt her in nichts nach. 1815 komponiert, leitet sie Beethovens, von seinem zeitgenössischen Publikum zumeist unverstandenen Spätstil ein. Das Klavier eröffnet das Werk mit einer schroffen unisono-Floskel ehe das Violoncello mit einem gebrochenen, aufwärtssteigenden Akkord einsetzt und einen kurzen lyrischen Gedanken folgen lässt. Der gesamte Satz ist von seinen Themen her sehr komprimiert gehalten. Die Durchführung der knappen Motive steht ihm Vordergrund.

Dem Allegro con brio steht ein Adagio con molto sentimento d’affeto gegenüber, also so kontrastreich, wie es nur sein kann. Ein äußerst langsamer Choral in d-moll wird vom Cello angestimmt und vom Klavier in tiefer, dunkler Lage begleitet. Anschließend beginnen beide Instrumente mit einem Dialog, pulsierend durch die linke Hand des Klaviers begleitet. Im Mittelteil hellt die Stimmung auf, beide Instrumente dialogisieren in fließender Bewegung miteinander. Nun kehrt der Choral wieder, diesmal vom Klavier vorgetragen und vom Cello mit punktierten Einwürfen unterbrochen. Überraschend und zugleich der Höhepunkt des Satzes ist die Wendung nach B-Dur, in der das Cello eines der rührendsten Soli spielt.
Dieser zauberhafte Schluss des zweiten Satzes wird in der Einleitung zum letzten Satz förmlich weggewischt. Hier zeigt sich der Humorist Beethoven, in dem er auf ein so wunderschönes Solo eine banale aufwärtssteigende Tonleiter, vom Cello vorgetragen, erklingen lässt. Das Klavier imitiert, ebenso banal, diese Tonleiter und lässt den Zuhörer förmlich in der Luft hängen. Nun wird diese aufwärtssteigende Tonleiter zum Beginn eines Fugenthemas. Beethoven gönnt dem Zuhörer hier keinen beschwingten Schluss. Stattdessen lässt er die Fuge teilweise sehr eng verzahnen, sodass aberwitzige rhythmische Verschiebungen entstehen.

Von kontrapunktischer Arbeit ist auch die Cellosonate Opus 6 von Richard Strauss geprägt. 1881 vom 16(!)-jährigen Richard Strauss für seinen Freund Hans Wihan komponiert, nimmt er mit ihr an einem Komponistenwettbewerb teil, den er nicht gewinnt. Die Kritik der Jury nimmt er sehr ernst und revidiert die Cellosonate 1883 rigoros. Lediglich der erste Satz bleibt mit seinem brillanten Fugato vor der Reprise, wenn auch komplett neu überarbeitet, bestehen. Satz zwei und drei werden vom jungen Komponisten zwei Jahre nach ihrer Entstehung als nicht mehr reif angesehen und komplett verworfen und neu komponiert - ein elegisches Andante ma non troppo und ein heiter beschwingtes Finale Allegro vivo. Das Werk erfreut sich auch heute noch großer Beliebtheit und gehört zum Standardrepertoire eines jeden Cellisten.
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Konstantin Pfiz

Konstantin Pfiz wurde 1967 in Wilhelmshaven geboren. Zu seinen wichtigsten Lehrern zählen Georg Faust (Solocellist der Berliner Philharmoniker), David Strange (Royal Academy of Music London) und Harvey Shapiro (Juilliard School of Music New York). Weitere Lehrer waren David Geringas, Boris Pergamenschikow, Paul Tortelier, Heinrich Schiff und Daniel Schafran.

Konstantin Pfiz gewann den Schumann-Preis in Lon- don und den Ersten Preis beim Deutschen Musikwettbewerb. Als Solist trat er unter anderem mit den Münchner Symphonikern, den Bremer Philharmonikern, dem Mahler Chamber Orchestra und dem Orchestra Mozart unter Dirigenten wie Daniel Harding, Yannick Nézet-Séguin, Andrés Orozco-Estrada und Claudio Abbado auf. Auch die Kammermusik spielt in sei- nem künstlerischen Schaffen seit jeher eine wichtige Rolle.

Von der Gründung des Orchesters 1997 bis 2011 war Konstantin Pfiz Solocellist des Mahler Chamber Orchestra. Als Solocellist trat er unter anderem auch mit dem Philharmonia Orchestra London, dem Concertgebouw Orchestra Amsterdam, den Münchner Philharmonikern, der Staatskapelle Dresden, dem Gewandhausorchester Leipzig, den Bamberger Symphonikern und dem Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia auf. Des Weiteren ist er Gründungsmitglied des Lucerne Festival Orchestra.
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Simon Kasper

Simon Kasper wurde 1989 in Jever geboren und bekam seinen ersten Klavierunterricht im Alter von 6 Jahren. Im Jahr 2000 wurde er Schüler von Gundolf Semrau an der Musikschule Friesland in Jever. Hier wurde er auf das Stu- dium der Musik nach dem Abitur und Zivildienst vorbereitet. Ein Meisterkurs bei Professor Joseph Anton Scherrer, sowie preisgekrönte Teilnahmen bei „Jugend musiziert“ sowohl als Solist als auch als Kammermusikpartner fallen ebenfalls in die Zeit seiner frühen musikalischen Entwicklung.

2009 begann er das Studium für Schulmusik an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg, wo er seine Schwerpunkte ganz auf die künstlerischen Studienfächer legte. Die Klavierklasse von Professorin Tinatin Gambashidze verließ er mit der Bestnote. Ebenfalls mit der Bestnote ausgezeichnet wurde er im Fach Chorleitung (Prof. Cornelius Trantow) und Orchesterleitung (Prof. Lorenz Nordmeyer). Gegen Ende seines Studiums beschloss er, sich künftig ganz seiner großen Leidenschaft, dem Konzertieren und Unterrichten im Klavierspiel, zu widmen.

In die Zeit seines Studiums fallen etliche Konzerte als Solist in Klavierabenden, als Kammer- musikpartner und als Begleiter von Chören. Das Klavierkonzert von Edvard Grieg führte er mit dem Hamburg-Orchester, verschiedene Klavierkonzerte von Mozart und Bach mit dem Barockorchester Concertino Hamburg auf. In der jüngeren Vergangenheit widmete er sich vermehrt dem Dirigieren. Anfang 2016 gründete er das Ensemble Collegium Vocale Jever. Seit der Spielzeit 2017/2018 arbeitet er auch als musikalischer Leiter an der Landesbühne Niedersachsen Nord.
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