Samstag & Sonntag, 05. + 06. September 2020 · jeweils um 17 Uhr

DIE SEELE DER BRATSCHE

Violasonaten von Brahms · Glinka · Schumann
Marie-Teresa Pfiz (Viola)
Simon Kasper
(Klavier)

Küstenmuseum
Weserstraße 58
26382 Wilhelmshaven
Telefonische Kartenbestellung ab 14. August unter:
(04421) 778 55 70

Eintritt: 20 € (Schüler/Studenten: 15 €)
Für den Konzertbesuch gelten die aktuellen Hygiene- und Abstandsregeln.

Programm

Robert Schumann (1810 –1856)

Adagio und Allegro für Bratsche und Klavier, Opus 70


Johannes Brahms (1833 –1896)

Sonate für Bratsche und Klavier in f-moll, Opus 120, Nr.1

Allegro appassionato · Andante un poco Adagio
Allegretto grazioso · Vivace

Kammermusik mit Viola und Klavier

Das im Jahr 1849 komponierte Adagio und Allegro Opus 70 war ursprünglich für Horn und Klavier geschrieben. Robert Schumann war einer der ersten, der für das gerade erst entwickelte Ventilhorn schrieb. Mit dieser Komposition setzte er einen Meilenstein in der überschaubaren Literatur für dieses Instrument. Er selbst nannte sein Opus 70 „brillant“, was vor allem den Hornpart betrifft, seine Frau Clara beschrieb es als „prächtig, frisch und leidenschaftlich“. Zum Zweck der größeren Verbreitung seines Werks, brachte Schumann es für verschiedene Besetzungen heraus. So erschien es für Violoncello, Violine und auch für die Bratsche im Druck.

Robert Schumann war es, der den aufstrebenden jungen Künstler Johannes Brahms in der Neuen Zeitschrift für Musik überschwänglich anpries. Diese hochgesteckten Erwartungen waren es, die Brahms in eine tiefe Krise stürzten, glaubte er doch, den hohen Erwartungen nicht gerecht zu werden. Viele bereits komponierte Stücke wurden vernichtet. 
Neue Kompositionen wurden noch feiner gearbeitet. Erst seine erste Sinfonie, an der er mehrere Jahre arbeitete, schien in die von Schumann vorausgesagten Bahnen zu führen.

Seine beiden Sonaten Opus 120 gehören zu den letzten Werken von Johannes Brahms. Er brachte sie alternativ für Klarinette und Viola heraus, wenngleich sie doch von der Klarinette inspiriert sind. Er schrieb sie, wie auch sein Klarinettentrio und -quintett, für den Meininger Klarinettisten Richard Mühlfeld, welcher für sein unvergleichbares Klarinettenspiel berühmt war.
Während die zweite Sonate in Es-Dur sehr hell und freundlich daherkommt, beginnt die erste mit einem düsteren Motto in f-moll in Oktaven des Klaviers. Die Bratsche antwortet mit einem leidenschaftlichen Thema. Dieses Hauptthema, welches vom Klavier aufgegriffen wird, wirkt wie ein schmerzlich verzerrter Ländler. Der ganze erste Satz wirkt wie ein Dialog, in welchem sinnliche Dur-Passagen eingestreut sind. Der Satz mündet in einer Coda „sostenuto espressivo“, ein letzter wehmütiger Gesang, welcher ganz am Ende in Dur schließt. Hierdurch ist der Weg für die folgenden freundlicheren Sätze geebnet. 

Das „Andante un poco Adagio“ ist ein seliger Gesang der Bratsche. Der Klavierpart ist ganz vom Geist der späten Klavier-Intermezzi von Brahms geprägt. Das „allegretto grazioso“ ist ein Ländler im robusten österreichischem Ton mit einem graziösen Klaviersolo im Trio. Der Finalsatz steht dann endlich in F-Dur und kommt in Form eines fast übermütigen, humorvollen Rondos daher.

Die Sonate für Bratsche und Klavier des russischen Komponisten Mikhail Glinka ist ein Frühwerk und entstand in den Jahren 1825-28. Sie ist unvollständig. So existieren nur der erste und zweite Satz, letzterer nur sehr lückenhaft. Die beiden Sätze wurden später von fremden Autoren vervollständigt und herausgegeben. Glinka komponierte die Sonate vor seiner Italienreise und stellte später fest, dass sie von allen seinen Werken, die er vor seinem Italienaufenthalt komponierte, das erfolgreichste war. Sie enthält, so Glinka selbst, »einen ganz versierten Kontrapunkt«.
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Marie-Teresa Pfiz

Marie-Teresa Pfiz, geb. 1984, Brahmspreisträgerin und Preisträgerin des Internationalen Bratschen-Wettbewerbs Lionel Tertis, Isle of Man, erhielt ihre Ausbildung zunächst bei Thomas Riebl am Mozarteum Salzburg, dann an der Juilliard School in New York und schließlich bei Wolfram Christ an der Hochschule Freiburg und bei Hans Peter Ochsenhofer an der Musikhoch- schule Wien. Von 2007 bis 2012 war sie Mitglied des Concentus Musicus unter Nikolaus Harnoncourt. Anschließend war sie fünf Jahre Mitglied im Oslo Philharmonischen Orchester und ist häufig zu Gast beim Chamber Orchestra of Europe und beim Mahler Chamber Orchestra. Außerdem ist sie Mitglied des Luzern Festival Orchesters.
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Simon Kasper

Simon Kasper wurde 1989 in Jever geboren und bekam seinen ersten Klavierunterricht im Alter von 6 Jahren. Im Jahr 2000 wurde er Schüler von Gundolf Semrau an der Musikschule Friesland in Jever. Hier wurde er auf das Stu- dium der Musik nach dem Abitur und Zivildienst vorbereitet. Ein Meisterkurs bei Professor Joseph Anton Scherrer, sowie preisgekrönte Teilnahmen bei „Jugend musiziert“ sowohl als Solist als auch als Kammermusikpartner fallen ebenfalls in die Zeit seiner frühen musikalischen Entwicklung.

2009 begann er das Studium für Schulmusik an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg, wo er seine Schwerpunkte ganz auf die künstlerischen Studienfächer legte. Die Klavierklasse von Professorin Tinatin Gambashidze verließ er mit der Bestnote. Ebenfalls mit der Bestnote ausgezeichnet wurde er im Fach Chorleitung (Prof. Cornelius Trantow) und Orchesterleitung (Prof. Lorenz Nordmeyer). Gegen Ende seines Studiums beschloss er, sich künftig ganz seiner großen Leidenschaft, dem Konzertieren und Unterrichten im Klavierspiel, zu widmen.

In die Zeit seines Studiums fallen etliche Konzerte als Solist in Klavierabenden, als Kammer- musikpartner und als Begleiter von Chören. Das Klavierkonzert von Edvard Grieg führte er mit dem Hamburg-Orchester, verschiedene Klavierkonzerte von Mozart und Bach mit dem Barockorchester Concertino Hamburg auf. In der jüngeren Vergangenheit widmete er sich vermehrt dem Dirigieren. Anfang 2016 gründete er das Ensemble Collegium Vocale Jever. Seit der Spielzeit 2017/2018 arbeitet er auch als musikalischer Leiter an der Landesbühne Niedersachsen Nord.
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